Der Jakobsweg – Sternenweg unter der Milchstraße

Startseite » Reisetipps » Der Jakobsweg – Sternenweg unter der Milchstraße

Der Sternenweg ist ein Synonym für den Jakobsweg, der unter den Sternen der Milchstraße verläuft und deren Lichter in früheren Zeiten als Kompass für den Weg ins Paradies und zum Ende der Welt verstanden wurden. Viele Jakobsweg-Pilger haben, früher wie heute, auf dem uralten Weg Gott gesucht und zu sich selbst gefunden, andere haben sich selbst gesucht und dabei Gott gefunden.

So ist der Jakobsweg. Seit über eintausend Jahren heißt er seine Pilger willkommen und geleitet sie durch den Norden Spaniens. Auf deren bis zu tausend Kilometer langen Wanderung bringt er seine Pilger an ihre psychologischen, als auch physiologischen Grenzen und bringt sie dazu, sich mit Gedanken und Emotionen auseinander zu setzen, die tief vergraben und vergessen schienen.

“Mach den ersten Schritt im Vertrauen – du brauchst nicht den ganzen Weg zu sehen. Mach einfach den ersten Schritt.”

Die Pilgerorte im Mittelalter

Die drei großen Pilgerziele des Christentums sind Rom, dessen Ziel der Petersdom ist, Jerusalem mit seinen zahlreichen heiligen Stätten  und Santiago de Compostela mit dem Grab des Heiligen Jakobus. Sie entstanden alle an den vermeintlichen Grabstätten wichtiger Apostel Jesu.

Die Pilger im Mittelalter gingen diesen beschwerlichen Weg zum Ablass ihrer Sünden, denn es heißt, auch heute noch, wer den Pilgerweg geht, wird am Ziel frei von jeder Sünde sein. So wurden auch verurteilte Straftäter von Gerichten dazu verurteilt, zur Wiedergutmachung Ihrer Taten den Pilgerweg zu gehen.

Die anstrengende Wanderung auf dem Jakobsweg war in den vergangen Jahrhunderten für viele Pilger ein Weg ohne Wiederkehr, denn die körperlichen Strapazen des Weges mit den einfachsten Ausrüstungsgegenständen und die zahlreichen Banditen, forderten ihren Tribut. Dieses Plündern und Morden auf dem Jakobsweg hatte dann ein Ende, als sich die Kreuz- und Tempelritter dem christlichen Wanderern annahmen, sie auf dem Weg beschützten und zahlreiche Hospitäler errichteten.

So sind auch heute noch entlang des Jakobswegs die ältesten und größten Orte die, die damals als Hospitäler zur Pflege der Pilger gedient hatten, die Klöster, die eine Beherbergung anboten, und natürlich die Kapellen, Kirchen und Kathedralen, in denen die Pilger einkehrten und beteten.

Der Jakobsweg führt aus den meisten Ländern Europas über tausende Kilometer in Richtung Spanien, wo er dann in den Camino Frances, die Hauptroute mündet. So ist auch dann dieser Streckenabschnitt im Norden Spaniens der am meist frequentierte Teil des Jakobsweges mit der besten Infrastruktur.

Der Heilige Jakobus

Jakobus soll, neben seinem Bruder Johannes, einer der Lieblingsapostel Jesu gewesen sein. Es entstanden mehrere Legenden, wie der Heilige Jakobus in den Norden Spaniens gekommen sein soll. Eine davon erzählt, dass er in seiner Heimat enthauptet wurde, weil er die Worte Jesu predigte. Sein Leichnam soll dann von seinen Brüdern in ein führerloses Boot gelegt worden sein, dass dann einige Zeit später im Norden Spaniens, in Galicien landete. Dort soll es von Fischern gefunden worden sein, die seinen Leichnam im heutigen Santiago de Compostela beigesetzt haben. Und so ist auch der größte Schatz der Kathedrale von Santiago, dem Pilgerziel des Jakobsweges, die seine sterblichen Überreste in einem silbernen Sarg, direkt unter dem Hauptaltar, beherbergen soll.

San Juan de la Pena und der Heilige Gral

Eine der vielen Besonderheiten am Jakobsweg ist das Kloster San Juan de la Pena, dass – etwas abseits vom Hauptweg gelegen – auf einer Bergspitze in und um einen Felsvorsprung errichtet wurde und bis heute sehr gut erhalten ist. Das Kloster beinhaltet zahlreiche Nebengebäude, einen sehenswerten romanischen Kreuzgang und eine Gruft der Könige von Aragonien. Den Umweg ins Klosters nehmen die meisten Pilger aber auf sich, weil der Legende nach hier ein paar Jahrhunderte lang der Heilige Gral aufbewahrt worden sein soll und eine Kopie davon im Kloster zu besichtigen ist.

Die Jakobsmuschel

Das Symbol der Pilger, die Jakobsmuschel, war zu früheren Zeiten ein Zeichen dafür, dass man die Reise erfolgreich absolviert hatte. Sie soll auch zum Trinken genutzt worden sein. Um die Muschel zu finden, musste man allerdings über Santiago de Compostela hinaus noch drei weitere Tagesetappen bis nach Finisterre, einem kleinen Fischerort am Atlantik, wandern. Heute ist die Muschel ein beliebtes Erkennungszeichen der Pilger. Sie baumelt meist am Rucksack und viele Pilger haben sie mit ihren Landesfarben bemalt um ihre Nationalität zu signalisieren.

Schlafstätten mit bis zu 50 Betten

Für viele Pilger der heutigen Zeit ist es eine der großen Herausforderungen am Jakobsweg, die Schlafstätten der Pilgerherbergen mit bis zu 50 Pilgern zu teilen. Die akustischen wie sanitären Konsequenzen sind gerade am Anfang der langen Reise für viele ein No-Go. So stehen dem modernen Pilger zahlreiche kleine Pensionen oder privat geführte Hostals als Ausweichquartier zur Verfügung, aber man bringt sich um einen wichtigen Teil des Pilgerweges. Zum einen lernt man gerade in den Herbergen die meisten und interessantesten Menschen aus der ganzen Welt kennen und zum anderen sollte niemand eine Übernachtung in einem Jahrhunderte alten Kloster, wie zum Beispiel das Kloster Samos verpassen. In diesen geschichtsträchtigen Gemäuern zu nächtigen und morgens mit dem gregorianischen Gesang der Mönche geweckt zu werden gehört zu den unvergesslichen Erlebnissen einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg.

Viele Pilger und Wanderfreunde buchen auch individuelle Wanderreisen auf dem Jakobsweg, bei denen Hotels und ein Gepäcktransport organisiert wird, der Reisetermin aber frei wählbar ist.

Pilgern heute: mit Handy und GPS Navigation

Sieht man sich den moderne Pilger der heutigen Zeit an, scheint der Jakobsweg einen Quantensprung überlebt zu haben.

Mit einer Hightech-Wanderausrüstung, Handy und GPS-Navigation begeben sich heute die Menschen auf diesen tausend Jahre alten Weg, und trotz dieser modernen Hilfsmittel haben sich die Motive der Pilger und Wanderer nicht groß verändert. Einige Menschen machen sich nach einem Schicksalsschlag auf den Weg, andere wiederum, weil sie an einem Scheideweg in ihrem Leben angekommen sind, und hoffen, auf ihrer Pilgerschaft eine neue Richtung zu finden. Die meisten aber haben genau die Motivation, die schon Millionen von Pilgern seit Tausenden von Jahren auf diesen Weg geführt hat: die Suche nach sich selbst.

Der Jakobsweg ist für einige nur ein geschichtsträchtiger Wanderweg durch eine wundervolle Naturlandschaft im Norden Spaniens mit liebenswürdigen Menschen und einer großen kulturellen Vielfalt. Für die meisten aber ist es eine Erfahrung, die sie ihr ganzes Leben nicht vergessen werden. Die Begegnungen und der Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt, die intensiven Erfahrungen mit sich selbst und die Mystik dieser alten Tradition ist mit nichts zu vergleichen.

Am Ziel zum Neubeginn

Nachdem das Pilgerziel, die Kathedrale von Santiago de Compostela erreicht ist, umarmen die Pilger die lebensgroße Figur des Heiligen Apostels, indem sie eine schmale Treppe hinter dem Hauptaltar hochsteigen. Die Emotionen der Pilger bei dieser Umarmung sind dabei so intensiv und emotional, dass man sie nicht erklären kann. Und so ist für viele Pilger, die den Eindrücken ihrer Reise und ihren Gefühlen noch nachhängen, der Weg hier noch nicht zu ende.

0,00 Meter Markierung am Leuchtturm von Finisterre

Am sogenannten „Ende der Welt“, einem kleinen Fischerort namens Finisterre, direkt am Atlantik, drei Tagesetappen von Santiago de Compostela entfernt, ist es unter Pilgern heute noch Brauch, einen Teil seiner Kleidung zu verbrennen, im Meer zu baden und den Sonnenuntergang zu erleben – um dann am nächsten Tag als neuer Mensch zu erwachen.

Die Geschichten, die man auf dem Weg von seinen Mitpilgern hört, sind teilweise erschütternd und herzergreifend. Und so macht auch nicht der Jakobsweg an sich, sondern die Menschen, die sich auf ihm befinden, die Besonderheit dieses Pilgerweges aus, denn ohne den Glauben, die Geschichten und Motivationen der Menschen wäre der Jakobsweg nur ein sehr langer Feld- und Wiesenweg.

Mehr Informationen zum Jakobsweg in Spanien unter http://www.jakobsweg-live.de

“Wenn du dich diesem Weg anvertraust, wird er dich schützen und behüten. Er wird dir unterwegs alles nehmen um es dir dann mehrfach wieder zurück zu geben, denn immer wirst du ihn stärker verlassen, als du ihn aufgesucht hast.”